Landwehrkanal Oberschleuse, vor 1920. Foto WSA Berlin

 

Auf der Berliner Spree war der Schiffsverkehr im Jahr 1820 kaum zu bewältigen. Mitunter mussten Schiffe an der Stadtschleuse im Kupfergraben tagelang auf die Schleusung warten. Ein weiterer Wasserweg zur Umgehung des Kupfergrabens vor allem für die durch Berlin hindurchfahrenden Schiffe wurde zwingend. König Friedrich Wilhelm IV. erteilte dem Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné den Auftrag, Pläne für eine Neugestaltung des Areals zwischen Köpenicker Feld (das Gelände nördlich des Landwehrkanals vom Görlitzer Bahnhof im Osten bis zur Lindenstraße im Westen) und Tiergarten zu entwickeln. 1842 legte Lenné seinen „Verschoenerungs Plan des zwischen dem Landwehrgraben und projectirten Schiffscanal belegenen Theils der ehemaligen Fasanerie bei Berlin“ vor.

Baubeginn war im Jahre 1845. Die Linienführung wurde seinerzeit wie folgt beschrieben: „Der ungefähr 10,4 km lange Landwehrkanal tritt oberhalb des Schlesischen Thores, nicht weit von der ehemaligen Mündung des Landwehrgrabens, aus der Spree, durchschneidet alsdann die Chaussee nach Treptow, entfernt sich, bei seiner Wendung beinahe einen rechten Winkel bildend, von der Stadt, kommt derselben bei Durchschneidung des Rixdorfer Dammes wieder näher, erreicht die Stadtmauer am Halleschen Thore, durchschneidet ferner die Militairstraße, die Berlin-Anhalter-Eisenbahn, die Schöneberger Straße, die Berlin-Potsdam-Magdeburger Eisenbahn und die Potsdamer Straße, läuft die Grabenstraße entlang, die Chaussee nach Charlottenburg und mündet endlich oberhalb Lietzow in die Spree aus."

Der Landwehrgraben war Mitte des 15. Jahrhunderts als Verteidigungsgrenze vom Oberbaum im Osten bis zum Unterbaum bei Charlottenburg entstanden. Genannt wurde er Schafgraben und Weidengraben, mitunter auch Abzugsgraben, was seine eigentliche Funktion am besten beschreibt, die Ableitung des Spreehochwassers vor der Berliner Innenstadt.

Um das nun durch den Kanalbau tangierte Gelände ausreichend über die neue Wasserstraße entwässern zu können, erschien es zweckmäßig, die gesamte Kanalhaltung bis zur Einmündung in die Untere Spree bei Charlottenburg auf den Unterwasserstand des Mühlendammwehres zu bringen. Lenné wandte sich entschieden dagegen, da er durch die Absenkung des Wasserstandes von etwa 1,25 Meter den alten Baumbestand des Tiergartens gefährdet sah.

Am 2. September 1850 wurde der Landwehrkanal dem Verkehr übergeben. Die fortgeschrittene städtische Bebauung führte zu manchem Kompromiss. Ein beiderseitiger Streifen von nur rund 15 m für Ufermauern, Grünstreifen und Seitenstraßen wurde als ausreichend betrachtet. Der Kanal erhielt eine Wasserspiegelbreite von 23,00 m. Bei niedrigstem Wasserstand wurde eine Tauchtiefe von 1,65 m ermöglicht. Um übermäßige Brückenrampen zu vermeiden, erhielten die über den Landwehrkanal führenden Holzbrücken Aufzugklappen, die für die Durchfahrt der Schiffe hochgezogen werden mussten. Die Durchfahrtsöffnungen hatten eine Breite von 7,75 m ...

 

Informationstafel zur Oberschleuse Landwehrkanal

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