Modell Strandbad Wannsee

Pack die Badehose ein

FAZ, 21. Juni  2007

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ach wie nett wäre es, wenn die große Froboess noch einmal die kleine Cornelia geben würde. Dann würden wir die Badehose einpacken, das kleine Schwesterlein nehmen und „nischt wie raus nach Wannsee“ fahren. Anlässe gäbe es: Der Schlager wurde ein halbes, das Strandbad wird ein ganzes Jahrhundert alt.

Blicken wir zurück: Noch um 1900 war Baden in Flüssen nur in Flussbadeanstalten gestattet, getrennt in Männlein und Weiblein, hineingesteckt in Holzkästenbassins, aufgeteilt durch hohe Bretterzäune. Am 8. Mai 1907 erlaubte Preußen das Baden im Großen Wannsee: Das Strandbad war geboren.

„Nun haben wir das Heilmittel“, pries Heinrich Zille die Errungenschaft, „Sonne, Luft, Wasser, duftende Wiesen und Wälder geben nach der schweren Arbeitswoche den Menschen körperliche und seelische Kräfte.“ Den Anstoß hatte der Teltower Landrat Ernst von Stubenrauch gegeben. Die Regierung ließ über den damals zuständigen Kreis Teltow erklären, dass „eine 200 Meter lange Uferstrecke am Wannsee als öffentliche Badestelle bezeichnet wird“. Für den Fall jedoch, „dass hieraus schwerwiegende Unzuträglichkeiten entstehen sollten“, wurde Widerruf vorbehalten.

Es war höchste Zeit. Berlin war in der Bredullje. In Friedrichshain, Neukölln und Kreuzberg hatten neunzig Prozent der Wohnungen kein Bad, dafür Hinterhöfe, „een bisken schmal, aber schön hoch“. Ein „Berliner Freibäder Verein" hatte für „Pflege und Schutz des Freibadewesens" zu sorgen, sprich: für „Ordnung und Moral“. Familien, Männer, Frauen separiert. Aufgeregtheiten gab es dennoch, weil „die Badehose eines 25jährigen Herrn so schlecht saß, daß er auch gar keine zu tragen brauche“, weil „Damen, welche baden wollten“, angestarrt wurden.

Dabei hatte die „Polizeiverordnung betreffend das Freibad am Wannsee“, veröffentlicht im Teltower Kreisblatt vom 29. Juli 1909, unter § 6 exakte Hinweise gegeben: „Die zulässige Badekleidung ist für Personen männlichen Geschlechts mindestens eine die Oberschenkel zur Hälfte bedeckende nicht dreieckige Badehose, für Personen weiblichen Geschlechts ein Badeanzug, der Schultern, Brust, Leib und die Beine etwa bis zum Kniegelenk bedeckt“ ...

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