Die Renaissance des Stockes wird seit Jahren vorausgesagt. Wie meistens bei solchen Prophezeiungen sind dabei eigennützige Interessen im Spiel. Die einen, die mit einem Stock liebäugeln, sich aber nicht trauen, und die anderen, die den Stock verkaufen wollen und daher den Leuten einreden, daß ein Stock einfach im Kommen ist.

Bisher war nur Eingeweihten bekannt, daß in einem Familienbetrieb in Larressore Stöcke per Hand gearbeitet werden, und daß Charly Chaplin dort sein legendäres Stück gefunden hat. Nun aber gibt es den „hotgo“. Der besteht aus laminierter Buche mit Hochdrucklaminat, kommt aus Norwegen und ist garantiert keine Handarbeit. Dafür ist er für alle da. Ob jung oder alt, weiblich oder männlich, er ist für jene gemacht, die nun wirklich wissen wollen, wie man mit einem Stock umgeht.

Damit die Versuche auch angesagt aussehen, wurde jede Vorderseite des „hotgo“ mit einem kunstvollen Bilddetail geschmückt. Der Stockliebhaber, wenn er denn auch Bildersammler ist, müßte in jedem Fall zwanzig Stöcke erwerben, weil er in dieser Ansammlung erst ein ganzes Bild besitzt. Jeder „hotgo“, ob en détail oder en gros, ist jedenfalls einzigartig, weil norwegische Künstler die Designs kreiert haben: Coderock mit Hip-Hop-Style-Graffiti, Kim Hiortøy mit Cartoons, Hanna Høiness mit Computergraphik, Knut Bry mit klassischen Fotos von Holz und Heringen und die Scandinavian Design Group mit Schriftgraphik. Bemerkenswert ist obendrein, daß ein Teil des Erlöses einer guten Sache zugeführt wird: Rainforest Foundation Norwegen erwartet die Gaben.

Beklagt wurde schon vor einiger Zeit, daß „die deutsche Wissenschaft der Cannelogie weit zurück ist“. Kein Wort über die Stockgeschichte, kein Wort über die Stockherstellung, kein Wort über das Stockmaterial. Auch eine systematische Stockordnung in Wanderstöcke, Stadtstöcke, Schirmstöcke, Berufsstöcke oder Militärstöcke wurde vermisst.

Die offenen Fragen haben die Norweger nun mit einem Schlag beantwortet. Wenn Sie bisher davon ausgegangen sind, daß Stöcke nur für Alte und Kranke reserviert sind, werden Sie nun eines besseren belehrt.

Der Wanderstock (1) ist bei weitem die am häufigsten eingesetzte Anwendung überhaupt. Seit Adam und Eva hat das einfache Gerät den Leuten eine nützliche Unterstützung gewährt. Enorm leistungssteigernd ist heutzutage der paarweise Einsatz für schnelles Gehen - neudeutsch auch „Walking“ genannt. Wichtig ist allerdings immer, daß Sie das Gewicht vom Unterarm geradewegs in den Stock bringen. Nur so nehmen Sie die Last von den Kniegelenken, verbessern Ihre Haltung und damit auch Ihre Atmung. Denken Sie den Stock als Verlängerung Ihres Armes! Sie vermeiden damit Handgelenkverletzungen.

Wenn Ihre Schritte doch einmal langsamer werden sollten und andere Wanderer an Ihnen vorbeiziehen wollen, wenden Sie die Variante Barrierestock (2) an, in dem Sie diesen aus einer vertikalen in eine horizontale Lage bringen. Diese Indienstnahme eignet sich im übrigen auch ausgezeichnet für das Stoppen von Autos, Fahrrädern, Fußgängern, Aufzugstüren undsoweiter.

Bisher nicht bekannt war, daß das gute Stück auf Iangen Wanderungen oder beim Warten an der Bushaltestelle auch als Ruhestock (3) eingesetzt werden kann. Wenn Sie sich vergewissert haben, daß Sie die richtige Balance halten können, lehnen Sie sich einfach zurück und Sie haben einen ausgezeichneten Ruheplatz.

Sollten Sie während dieser Zeit einem Juckreiz am Rücken nachgeben wollen, vergessen Sie nicht, die Ruhestellung vorher aufzugeben. Erst dann können Sie gefahrlos den Kratzstock (4) benutzen, um an die oft schwer zu erreichenden Rückenstellen zu kommen.

Für die körperliche Ertüchtigung wird Ihnen der Einsatz als Golfstock (5) empfohlen. Wenn Sie dem plötzlichen Drängen nach Golfspielen nachgeben wollen und kein Golfball zur Verfügung steht, versuchen Sie es beispielsweise mit unterschiedlichen Gegenständen. Steine, Hölzer, Flaschen und möglicherweise sogar die Tauben im Park könnten verwendbares Material hergeben.

Während Ihrer Aktivitäten könnten ängstliche Spaziergänger in Gruben und Löchern Sicherheit gesucht haben. Reichen Sie diesen Menschen in Not die helfende Hand, und setzen Sie das stabile Hochdrucklaminat als Rettungsstock (6) ein.

Wenn Sie in der Folge von einer Horde von Leuten attackiert werden sollten, dann empfiehlt sich der äußerst effektive Einsatz des topaktuellen Matrixstocks (7). Diese Variante basiert auf den wilden Kampfchoreographien von Woo-Ping in den Matrix-Filmen. Der richtige Gebrauch setzt allerdings eine Menge Übung voraus.

Die Anwendung als Hakenstock (8) funktioniert ganz gut, wenn Sie zum Beispiel einen Handtaschendieb schnell stoppen müssen. Benutzen Sie den Stock als Haken, legen sie den gekrümmten Griff um den Hals des Diebes und holen Sie den Typ zu sich heran. Ziehen Sie nicht zu stark, da dies ernsthafte Verletzungen am Hals des Übeltäters verursachen könnte.

Sollten Sie doch einmal Nähe wünschen, weil Sie glauben, daß Sie mehr Aufmerksamkeit verdient haben als Ihnen in gewissen Momenten geschenkt wird, dann erweitern Sie Ihren Aktionsradius mit dem Anbändelstock (9). Konzentrieren Sie sich auf Arme und Beine, da an diesen Partien die Gefahr einer ernsten Verletzung geringer ist.

Mehr Informationen und weitere Möglichkeiten finden Sie unter www.hotgo.no, im Museum of Decorative Arts and Design Oslo, auf der Triennale di Milano und im Felleshus der „Nordischen Botschaften“ in Berlin. Wenn Sie zu Ihrem „hotgo“ stehen, wird er sich für Ihr Vertrauen dankbar erweisen. Deshalb verraten Ihnen die Designer von K 8 Oslo auch noch vorab eine Anwendung aus Nordnorwegen. Da dort oben die Temperaturen plötzlich weit unter Null fallen können, und die nächste wärmende Hütte oft weit entfernt liegt, kann der Einsatz als Brennstock (10) lebensrettend sein. In derartigen Notfällen hauen Sie alles in Stücke und entfachen ein Feuer.

 

 

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