Auf der Insel Ilhabela. Foto Peter Hahn, 2000

 

Die letzte Reise der „Siegmund“ als „Therezina“

Frankfurter Allgemeine, 18. April 2002

 

Es war in der Nacht zum 2. Februar 1919. Drei Monate nach dem Krieg schickte Lloyd Brasileiro wieder ein Schiff nach Europa. Bei strömendem Regen legte die "Therezina" gegen 21 Uhr im Hafen von Santos ab. An Bord des Dampfers siebenunddreißig Mann Besatzung, einige Passagiere und 288 Tonnen Fracht: Maismehl, Kaffee, Zucker, Post. Der Strand von Guaruja blieb bald in der Dunkelheit zurück. Mit zehn Knoten ging es entlang der brasilianischen Küste in den Atlantik. Nach Passieren der Inseln Santo Amaro und Alcatrazes nahm das Schiff direkten Kurs auf die achtzig Seemeilen entfernt liegende Südeinfahrt des Canal de São Sebastião. Der Regen wurde stärker, die Wellen wurden höher, die Sicht wurde schlechter. Steuerbords ein Felsenriff. Um vier Uhr morgens war die Reise zu Ende. Seither liegt das Wrack bei 23s 55' 06'' S und 045s 27' 30'' W vor der "Ilha de São Sebastião".

 

"Wir nennen sie die schöne Insel - Ilhabela", korrigiert Anderson Correa. Offiziell heißt sie nur deshalb Ilha de São Sebastião, weil dem italienischen Entdecker Amerigo Vespucci 1502 nichts anderes eingefallen ist. Zu dieser Schönheit macht sich der 39 Jahre alte Anderson immer wieder auf, um dem Neunzehnmillionenmoloch São Paulo wenigstens am Wochenende zu entrinnen. Ob er nun die Küstenstraße über Santos und Bertioga oder die Bergroute über São José dos Campos und Paraibuna durch die Serra do Mar nimmt, immer bleibt die Hoffnung, die zweihundert Straßenkilometer in einer erträglichen Zeit zurückzulegen. Es klappt auch diesmal nicht. Der Himmel über dem südlichen Wendekreis öffnet seine Schleusen. Die Berghänge geben her, was sie hergeben können, und überschütten die Straße mit Fels und Schlamm ...

 

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