Grenzübergang Erez zwischen Israel und dem Gazastreifen. Foto Peter Hahn, 1996

 

Israel: Die unheilige Heilige

Märkische Allgemeine, 11. Oktober 1997

Von Peter Hahn

 

Die Reise ins Heilige Land fing gut an. Als Gideon von unserem Kommen erfährt, gab es Proteste. „Was wollt ihr in Jerusalem wohnen? Alles ist da oben so orthodox geworden. Ihr müsst in Tel Aviv wohnen.“ Hat er nicht recht? Sind nicht Mohammed, David und Jesus in weite Ferne gerückt? Aber warum sollte man sonst nach Israel reisen?

Für Israel müssen Reisepass und Visum her. Wer vor 1928 geboren wurde, muss aus sehr verständlichen Gründen erklären, ob er in der NSDAP oder gar SS war. Warum diese Erklärung nicht von den Österreichern verlangt wird, hängt wohl damit zusammen, dass Beethoven inzwischen ein Österreicher und Hitler ein Deutscher wurde.

Zwei Stunden vor Abflug hat man am Flughafen zu erscheinen. Bevor der Koffer ausgeräumt, betastet, überprüft wird, hat man Befragungen zu überstehen: Wohin? Warum? Weshalb? Wieso? Kontakte? Welche? Wo? Woher? Wie lange? Beim deutschen Israelspezialisten „Biblische Reisen“ werden „die Beschwerden darüber so massiv, dass die Leute lieber auf eine Reise ins Heilige Land verzichten“.

Vor dem Heimflug das gleiche Spiel. Wenn ein Pilger auf das „Have you been in the occupied territories?“ mit „Yes, in East-Jerusalem and Bethlehem“ antworten würde, hätte er die Sicherheit sicherlich nicht gefährdet, seinen Rückflug in die Heimat mit Sicherheit verpasst. Selbst Israelis empfehlen für diese Tortur Zurückhaltung.

Diese Reise kann weder eine Pilgerreise noch ein Badeurlaub sein. Sie ist stets ein politischer Akt. Das beginnt bei den Landkarten. Weil auf der 1993 vom „Ministry of Tourism, Jerusalem“ publizierten Karte jegliche Grenzlinien zwischen Israel und den syrischen Golan-Höhen, der West-Bank und dem Gaza-Streifen getilgt sind, sollte man sich bereits hier objektiveres Material zulegen.

Wohin geht die Reise, wenn man ein Ticket nach Tel Aviv in der Tasche und Jerusalem, Jericho, Nazareth, den See Genezareth und das Tote Meer vor sich hat? Palästina? Autonomes Gebiet? Israel? Bewusst wird das Problem erst, wenn über Reisen nach Gaza, Hebron, Nablus, Ramallah oder zur Geburtskirche im christlich-moslemischen Bethlehem die israelische Armee entscheidet.

Mit dem „Wir können dort keine Sicherheit garantieren“ wird die Angst des einzelnen politisch missbraucht. Soll man nicht sehen, was zu sehen ist? Als Europäer hat man in den besetzten, autonomen oder den unter Militärverwaltung stehenden Gebieten der Westbank, des Gaza-Streifens und der Golan-Höhen keine Probleme. Für Arafats Tourismusminister Freidsch, der auch Bürgermeister von Bethlehem ist, kam in seiner Stadt „noch keiner zu Schaden, weil es hier auch keine Siedler gibt, die Israel zu schützen hätte“ ...

 

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