Ahrenshoop. Foto Peter Hahn, 1991

 

Die schönen Tage von Ahrenshoop

Frankfurter Allgemeine, 11. Juli 1991

 

Zuerst ist besetzt. Dann soll man warten. Und schließlich ist der junge Mann mit der Nummer 1188 frustriert. Sein Gerät zeigt keine Reaktion. Auf die Stichworte „Kurverwaltung“, „Verkehrsamt“, „Zimmernachweis“, „Touristinformation“, „Fremdenverkehrsbüro“ sprechen weder er noch sein Computer an. Achtzehn Monate nach dem Fall der Mauer muß man im schnell vereinten Deutschland immer noch sehr einfallsreich sein, um an Informationen über einen Ort in Ostdeutschland zu kommen.

Wo vierzig Jahre lang der „Feriendienst“ des FDGB waltete, ist die schlichte Konstruktion „Verkehrsamt“ noch immer ein Fremdwort. Wer also in den neuen Bundesländern Quartier machen möchte, vielleicht auch einige Ferientage in schönen Gegenden verleben will, sollte sich unbedingt das Wort „Gemeindeverwaltung“ einprägen. Das war schließlich die glückliche Idee des jungen Mannes von 1188. Die „Kurverwaltung Ostseebad Ahrenshoop“ firmiert unter der Gemeindeverwaltung, gehört politisch zum Land Mecklenburg-Vorpommern, postalisch zum Amt Wustrow und ist telefonisch für Westdeutsche unter 0 37 82 58-234 zu erreichen. Dort sitzt dann die Kurdirektorin Imme Gast, freundlich, vorsichtig, diplomatisch, und vermittelt aus ihrem „Gastgeberverzeichnis 1991“ Hotelzimmer, Privatquartiere, Ferienwohnungen und Appartements für Preise zwischen 20 und 120 Mark pro Person und Tag.

Der Sommer ’91 ist in Ahrenshoop „bettenmäßig gelaufen“, und nicht ohne Stolz fügt die Kurdirektorin hinzu, daß „Ahrenshoop schon immer ein Geheimtip war“. Dennoch, darüber sind sich alle einig, ist die sommerliche Katastrophe vorprogrammiert. Mit der Vergabe von über 30 Imbißständen inklusive Tiefkühltruhe und Mikrowelle entlang der schönen weißen Ostseestrände, versucht die verzweifelte Gemeinde die gastronomische Versorgung wenigstens einigermaßen sicherzustellen ...

 

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