Die Dornburger Schlösser

 

Erinnerungen eines „aufsehenden Erklärers“

Die Dornburger Schlösser

Frankfurter Allgemeine, 25. April 1996

 

Der Freitag war ein Ritual. Nach der Vorlesung wurden Lebensmittel gekauft. Zu Hause suchte man die Klamotten zusammen. Mit kleinem Gepäck ging es zum Jenaer Saalbahnhof. Dort wartete man auf den Personenzug aus Saalfeld. Manchmal kam er pünktlich, oft genug auch nicht. Was einst zweigleisig war und später auf ein Gleis demontiert wurde, forderte Tribut. Elf Kilometer wollte man nur fahren, und das dauerte in der Regel zwanzig Minuten. Dass es dabei nur flussabwärts ging, interessierte die Dampflok der Deutschen Reichsbahn wenig. Heute hat jede Richtung wieder ihr Gleis. Was früher aus dem thüringischen Saalfeld kam und mindestens bis nach Leipzig fuhr, kommt heute aus dem fränkischen Lichtenfels und endet an der Grenze zu Sachsen-Anhalt in Großheringen. Dafür nennt sich der Zug jetzt Interregio, ist elektrisch und schafft es mit Halt in Jena-Zwätzen und Porstendorf in neun Minuten.

Dann war man unten in Dorndorf an der Saale und noch lange nicht oben in Dornburg an der Saale, was eigentlich "über der Saale" heißen müßte. Zwei Wege führen auf die Hochfläche. Ob man sich nun den Stieg mit 162 Stufen zumutet oder die kurvenreiche Straße nimmt, die Weimars Herzog Karl August unter "geologischer" Aufsicht des Ministers Johann Wolfgang von Goethe um 1816 hatte anlegen lassen, oben ist jede Mühe vergessen. Ein Panorama tut sich auf. Auf gleicher Ebene stehen in bedachtem Abstand zueinander drei Schlösser. Wie selbstbewusst auch jedes seine Position behauptet, sie ergänzen sich und ergeben zusammen die Dornburger Schlösser ...

 

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