Freyburg (Unstrut). Foto Peter Hahn, 1993

 

Zu Ente mit Klößen Wein von Saale und Unstrut

In der Winzerstadt Freyburg in Sachsen-Anhalt

Die Strasse der Romanik

Frankfurter Allgemeine, 30. September 1993

 

Als das Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau zum Kongress über den "Städtebaulichen Denkmalschutz in den neuen Ländern" bat, schlugen die Bonner die Stadt Naumburg kurzerhand dem Land Thüringen zu. Als Bundesministerin Irmgard Schwaetzer dann auch noch von der "Straße der Romantik im Land Sachsen-Anhalt" sprach, war im Saal nur noch Gelächter.

Der Landkreis Naumburg gehört zum südlichsten Zipfel des Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Die Täler von Saale und Unstrut prägen die Landschaft. An den Muschelkalk- und Buntsandsteinhängen wird seit jeher am Großjenaer Blütengrund der Silvaner und am Freyburger Schweigenberg der Müller-Thurgau angebaut. Die Winzerstadt Freyburg ist das Zentrum der nördlichsten europäischen Weinregion. Romantisch ist es hier schon, aber im Hinblick auf die über der Stadt aufragende Neuenburg mit ihrer fast achthundertjährigen Doppelkapelle spricht man in dieser Gegend besser von romanisch.

Der parteilose Martin Bertling ist seit 1990 Bürgermeister von Freyburg. Über das Neue Forum ist er zu seinem Amt gekommen, weil die Freyburger Bürgerinitiative 56 Prozent der Stimmen erhielt. Vor der Wende war der gläubige Christ und studierte Chemiker in der nahen Mineralölindustrie tätig. Weil die Durchschnittsnote von 1,0 seiner Tochter Christiane damals in der DDR nicht ausreichen sollte für ein Medizinstudium, ging er auf die Barrikaden. "Viele sagen heute, wir konnten gar nicht anders. Aber das stimmt gar nicht. Ich habe keine Nachteile gehabt, als meine Kinder nicht zur Jugendweihe, sondern zur Konfirmation gingen."

Freyburg taucht 1203 als Vribure, 1261 als Vriburg und 1292 als civitas Friburg auf. Weil die mittelalterliche Altstadt mit ihrer nahezu geometrisch-regelmäßigen Anlage und gut erhaltenen Stadtbefestigungsanlagen mit dicken Mauern, runden Türmen und dem Eckstädter Torturm von 1385 "von nationalem Rang" ist, wurde der Ort in das Bonner Förderprogramm zur "Sicherung und Erhaltung historischer Stadtkerne in den neuen Ländern" aufgenommen ...

 

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