Friedhof Güterfelde Eingang. Foto Peter Hahn, 2015

 

Hans-Altmann-Park

 

Die Geschichte begann 1874, als Kaiser Wilhelm I. die Erhebung einer Siedlung zur Landgemeinde des Kreises Teltow unter dem Namen Friedenau genehmigte. Für die Initiatoren Johann Anton Wilhelm Carstenn und David Born sollte die Bebauung ein Geschäft werden. Kalkuliert wurden Gewinn und Leben, für den Tod war in ihren Plänen kein Platz. Aber die Gemeinde wuchs schnell. Als der Pfarrer von Wilmersdorf, wo Friedenau seine Toten bisher begraben konnte, die Bestattung auf seinem Kirchhof aus Platzgründen nicht mehr gestattete, musste die Villenkolonie eine Grünanlage opfern und 1881 den Friedhof an der Stubenrauchstraße einrichten.

Zwanzig Jahre später kam Panik auf. Berlin wuchs immer weiter. Es war zu befürchten, dass die Friedhöfe bald nicht mehr ausreichen würden. Zuerst legte sich die Evangelische Kirche 1909 den Südwestkirchhof zu. Kurz darauf kaufte die Gemeinde Friedenau nebenan eine Fläche für einen zweiten Friedhof. Die Planung hatte der Architekt Hans Altmann (1871-1965) übernommen. Er war seit 1906 Gemeindebaurat von Friedenau – und gehört leider zu den vergessenen Architekten. Dabei hat er mit Rathaus, Schulen, Landhäusern und Fabriken bemerkenswerte Bauten hinterlassen. Sie haben den Weltkrieg überlebt und stehen alle unter Denkmalschutz.

Im Juli 1914 wurde der Waldfriedhof Friedenau in Gütergotz eröffnet. Beerdigt wurde der Bäckermeister Berthold Raabe aus der Handjerystraße 16. Die Grabstätte, in der 1919 auch seine Frau Elise bestattet wurde, ist das älteste erhaltene Grab des Friedhofs. Ein Jahr später entstand das Mausoleum für den in Deutsch-Ostafrika tätigen Siedler Kurt Hoffmann (1853-1915), dem Sohn des Ringofen-Erfinders Friedrich Eduard Hoffmann. Das Mausoleum gehört zu den größten und aufwändigsten Anlagen im Land Brandenburg.

Ein Blick auf die Güterfelder Klinkerbauten macht deutlich, dass Altmann dort draußen im Märkischen ein zweites Friedenau hat entstehen lassen. Mehr noch, er übertrug den Friedenauer Ortsgrundriss auf das Areal in Güterfelde. In Friedenau wird die Ortsmitte durch die „Kirche zum guten Hirten“ am Friedrich-Wilhelm-Platz bestimmt. In Güterfelde setzte Altmann die Kapelle in das Zentrum. Um dieses herum verlaufen U-förmig – analog von Stubenrauch- und Handjerystraße in Friedenau – die Hauptwege. Die Besucher sollten sich – anders als auf dem Südwestkirchhof – mühelos orientieren können.

Mit der Bildung von Groß-Berlin im Jahr 1920 verlor Friedenau seine Eigenständigkeit und wurde Ortsteil von Schöneberg. Der Friedhof erhielt den Namen „Waldfriedhof Schöneberg in Gütergotz“. 1937 übernahm der Bezirk Wilmersdorf die Verwaltung. Nun war es der „Wilmersdorfer Waldfriedhof Gütergotz“. Als die Nationalsozialisten alles Slawische aus dem Sprachgebrauch tilgten, wurde aus Gütergotz Güterfelde. Fortan war es der „Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde“.

So ist es bis heute geblieben, und so kam es, dass auch in den Mauerjahren das Bezirksamt Wilmersdorf für die Unterhaltung zuständig und der Güterfelder Friedhofsverwalter als DDR-Bürger Angestellter von Wilmersdorf war – wobei sein Gehalt 1:1 ausgezahlt wurde – eine DM West zu einer Mark Ost.

Bis zum Bau der Mauer 1961 wurden die Toten aus Friedenau bestattet. Da auf dem Quartiersfriedhof in der Friedenauer Stubenrauchstraße weiterhin Sarg- und Urnenbestattungen möglich waren, blieben Beisetzungen in Güterfelde eine Seltenheit. In den einhundert Jahren wurde weniger als die Hälfte der Gesamtfläche belegt. Nach 1961 fanden dort Tote aus der Umgebung ihre letzte Ruhe.

Nach der Wiedervereinigung war es nur eine Frage der Zeit, bis der Senat 2006 auf das Überangebot von Friedhofsflächen reagierte. Insgesamt werden 700 Hektar überflüssig, darunter die 12,25 Hektar des Wilmersdorfer Waldfriedhofs Güterfelde. Es besteht die Gefahr, dass Berlin verwertbare Teile der Anlage verkauft. Damit wäre aber die unter Denkmalschutz stehende Anlage mit ihren Bauten als Ganzes gefährdet.

Um diesen Gedankenspielen Einhalt zu gebieten, wurde der Förderverein Hans-Altmann-Park gegründet. Er möchte deutlich machen, dass vor den Toren der Stadt mit dem Südwestkirchhof (1909) von Gartenbaumeister Louis Meyer, dem Friedenauer Friedhof in Güterfelde von Hans Altmann (1914) und dem Wilmersdorfer Waldfriedhof Stahnsdorf (1920) von Stadtgartendirektor Erwin Barth Totengärten von überregionaler Bedeutung entstanden sind, die als Ganzes für die Nachwelt zu erhalten sind. Ziel des Vereins ist der Erhalt des Wilmersdorfer Waldfriedhofs Güterfelde für die Öffentlichkeit durch Umwandlung in einen Friedhofspark und die Nutzung von Bauten und Park für Kunst und Kultur.

Für Überraschung auf dem Friedenauer Friedhof in Güterfelde sorgt immer wieder die Nennung des Namens Max Schreck. Der Schauspieler spielte in seinen 35 Berufsjahren viele Rollen, auf dem Theater und in mehr als 40 Filmen. Die Rolle seines Lebens aber übertrug ihm 1922 der Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau (1888-1931): Graf Orlok in Nosferatu. Schrecks Darstellung des unheimlichen Vampirs machten die „Symphonie des Grauens“ zu einem Meisterwerk. Sein Nosferatu hat das Genre Horrorfilm bis heute geprägt. Unvergesslich der kahle Schädel, die riesigen Ohren, die gewaltigen Vorderzähne, die krallenartigen Fingernägel. Der Film ist ein Geniestreich. Er steht für den Vampirfilm – bis heute.

Max Schreck starb am 20. Februar 1936 in München. Am 14. März wurde seine Asche in der 70x70 Zentimeter großen Urnengrabstelle seiner Mutter beigesetzt. Es kamen Weltkrieg, Mauerjahre und schließlich die Wiedervereinigung. Längst war Gras über das namenlose Grab im Gräberfeld U - UR 670 gewachsen. Der Förderkreis des Museums für Film und Fernsehen Berlin ermöglichte eine Gedenkstele. Sie wurde zum 75. Todestag von Max Schreck am 20. Februar 2011 enthüllt.

Nach ihrem Tod haben Murnau und Schreck wieder zusammengefunden. Der Regisseur in einem Ehrengrab des Landes Berlin auf dem Südwestkirchhof und der Schauspieler in einem Urnengrab nebenan auf dem Waldfriedhof Güterfelde. Ein Stück Filmgeschichte.

 

 

Kontakt

Förderverein Hans-Altmann-Park

Förderverein „Hans- Altmann- Park in Stahnsdorf e.V."

Schubertstr. 22, 14532 Stahnsdorf

Telefon 03329 – 634121

Fax 03329 - 634122

E-Mail: hans-altmann-park@gmx.de

 

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