Es bedurfte einiger Mühen, bis das Schleusenbauwerk in Kleinmachnow nach 70 Jahren Abgeschlossenheit wieder „hautnah“ erlebbar wurde. Am 9. Mai 2008 wurde die „Information in der Schleusnerbude“ eröffnet. Das von der Gemeinde Kleinmachnow und vom Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin gemeinsam betriebene Informationszentrum erwartet seither die Besucher jeweils samstags, sonntags und feiertags von 12 bis 18 Uhr direkt auf der Schleusenplanie zwischen Süd- und Mittelkammer. Mit Otfried Becker, Werner Polzin, Peter Richter und Winfried Vick stehen sachkundige Mitarbeiter zur Verfügung. Sie geben Auskunft zum Bauwerk, zum Teltowkanal sowie zur regionalen Besonderheiten.

Der erste Spatenstich für den Bau des Teltowkanals erfolgte am 22. Dezember 1900 im Schlosspark Babelsberg. In Kleinmachnow entstand die einzige Schleuse der Wasserstraße. Sie trennt die Spree-Haltung (den durch die Wehre am Berliner Mühlendamm und im Spreekanal gehaltenen Wasserstand) von der Havel-Haltung (begrenzt durch die Stauanlage in Brandenburg an der Havel) und vermittelt den Ab- und Aufstieg der Schiffe bei einem mittleren Gefälle von 2,74 Meter. Am 2. Juni 1906 fuhr die Yacht „Alexandria“ mit Kaiser Wilhelm II. in die Südkammer ein. Das ausschließlich vom ehemaligen Kreis Teltow finanzierte Kanalbauwerk war eröffnet.

Von Anfang an waren Max Contag und Christian Havestadt, die Schöpfer des Teltowkanals, bestrebt, in Kleinmachnow ein Architekturensemble zu schaffen, dass die beiden Schleusenhäupter und das Schleusengehöft harmonisch verknüpft. Bereits in der Planung lag „der Gedanke nahe, das interessante, in schöner Landschaft aufgebaute Schleusenbauwerk auch weiteren Kreisen zugänglich zu machen und zugleich zu einem behaglichen Ruhepunkt für diejenigen zu gestalten, denen nebenbei ein Stück modernen Verkehrslebens von Interesse ist“.

Unmittelbar neben den durch eine 12 Meter breite Plattform getrennten beiden Schleusenkammern entstand das Schleusengehöft mit dem Schleusenwirtshaus und der Gartenterrasse. In den 1930er Jahren wurde zur Entlastung der Wasserstraßen im Zentrum Berlins ein Ausbau des Teltowkanals für 1000-Tonnen-Schiffe beschlossen. Entstanden ist zwischen 1938 und 1940 allerdings nur eine dritte Schleusenkammer – die heutige Nordkammer. Dafür wurde das Schleusengehöft mit dem Schleusen-Wirtshaus und der Restaurantterrasse abgerissen.

Mit dem Abriss wurde es schwieriger, „dem Publikum die Einzelheiten des Schleusenbetriebs sichtbar zu machen“. Nach dem 20. November 1981 und der teilweisen Wiedereröffnung des Kanals von der westlichen Einfahrt sorgte das im Unterhaupt residierende Ministerium für Staatssicherheit für weitere Distanz.

Die Doppelschleuse von 1906 besteht aus zwei nebeneinander liegenden Kammern. Sie sind durch eine 12 Meter breite Plattform getrennt – die so genannte Schleusenplanie. Geblieben ist aus der Erbauungszeit neben Unter- und Oberhaupt die Schleusnerbude auf der Schleusenplanie zwischen Süd- und Mittelkammer. Von dort aus leitete einst der Schleusenmeister den Schifffahrtsbetrieb an der Schleuse.

Da die denkmalgeschützte Schleusnerbude längst ihre Funktion verloren hat, war es nach der Wiedervereinigung Deutschlands nur eine Frage der Zeit und der Überzeugungsarbeit, dem Haus neues Leben zu geben. Die Arbeit hat sich gelohnt: Von Mai 2008 bis März 2017 wurden dort 108.200 Gäste begrüßt.

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