Bad Saarow, Uferstraße 12. Architekt Fritz Glantz. Foto Peter Hahn, 2005

 

In Saarow ist nichts, und in Pieskow ist gar nichts

Frankfurter Allgemeine, 18. Juni 2005

 

Über dem Kiefernwald ballten sich schwere, schwefelfarbene Wolken zusammen, die sich rasch ins Blauschwarze verfärbten. Stoßweise fielen heiße Böen ein, immer wieder von Augenblicken totaler Windstille unterbrochen. Plötzlich aber war alles taghell erleuchtet, und im gleichen Augenblick kam der Donner: ein trockenes, erst knisterndes und dann betäubend anschwellendes Krachen. Meterhoch schlugen die Flammen aus dem Reetdach. Kurz danach waren die Nachbarn zur Stelle. Es war nichts mehr zu löschen. "Bei Schmeling hat der Blitz ins Haus geschlagen", schrieb Joseph Goebbels in sein Tagebuch, "ganz eingeäschert. Das tut mir so leid. Ich sage unseren Gartenempfang ab."

Eigentlich war Bad Saarow für die Schauspielerin Anny Ondra und ihren Mann Max Schmeling sowieso "nur eine Art Ausflugsdomizil, ein Wochenendhaus und Sommersitz". Der Boxweltmeister hatte 1930 sein Kampfgeld "angesichts der allgemeinen Unsicherheit" in ein Grundstück am Scharmützelsee eine Autostunde südöstlich von Berlin angelegt. Das spitzgiebelige Haus hatte der Architekt Harry Rosenthal 1923 für den Maler Bruno Krauskopf entworfen, dessen Bilder später als "entartet" diffamiert wurden. Drumherum war in den zwanziger Jahren eine Künstlerkolonie entstanden, die Schauspieler Gustav Fröhlich, Victor de Kowa, Harry Liedtke und Käthe Dorsch hatten hier ihr Domizil, der Komponist Xaver Scharwenka, auch der Bildhauer Josef Thorak ...

 

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