Kaiserbahnhof Potsdam. Foto Peter Hahn, 2005

 

Kaiserbahnhof Potsdam

Frankfurter Allgemeine, 9. Juni 2005

 

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn schrieb an den brandenburgischen Ministerpräsidenten, daß "wir an der Verkehrsstation nichts tun, weil es sich nicht lohnt. Schmutzecke bleibt Schmutzecke." Ministerpräsident Matthias Platzeck und Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs hätten ihm "seinerzeit Unterstützung zugesagt", das Gebäude abzureißen und den Vorplatz herzurichten. "Wir hatten Ihnen im Gegenzug zugesagt, die Verkehrsstation ,Park Sanssouci' dafür mustergültig herzurichten."

Gestritten wird um einen mit Klinkern durchsetzten Fachwerkbau aus dem Jahre 1869, einer der ältesten der Stadt und obendrein das einzig noch erhaltene öffentliche Bahnhofsgebäude in Potsdam aus der frühen Zeit der preußischen Eisenbahn.

Im Laufe von anderthalb Jahrhunderten wurde die heute als "Potsdam Park Sanssouci" ausgerufene Bahnstation mit einigen Titeln bedacht: Wildpark, Hofstation in Wildpark, Bürgerbahnhof, Kaiserbahnhof. Jetzt wird sie wohl im Kursbuch zusätzlich noch den Namen des künftigen Nutzers erhalten: "DB Akademie im Kaiserbahnhof".

Das Hin und Her begann 1888 mit Kaiser Wilhelm. Da ihm das Berliner Stadtschloß nicht reichte, wurde das Neue Palais im Park von Sanssouci mit zweihundert Räumen, Festsälen und Rokokotheater Kaiserschloß und Sommervilla zugleich. Die 230 Meter lange "Fanfaronnade", wie Friedrich der Große seine 1769 vollendete Prahlerei nannte, erlebte nun jährlich den aufwendigen Ein- und Auszug der Hohenzollernfamilie. Dabei war Wilhelm II. nur drei Monate im Jahr an Havel und Spree präsent: Er kurte in Karlsruhe, Wiesbaden und Bad Homburg, reiste nach Korfu, Palästina, Italien, Norwegen und hielt allerorten Reden.

"Reisen ist eine solche Manie des Reisekaisers", so eine Hofdame, "daß, wenn die Staatsgeschäfte oder die Tatsache, daß niemand zu besuchen ist, ihm das Reisen unmöglich machen, er manchmal eine Nacht in seinem Salonwagen zubringt, der auf der Station Wildpark steht, nur fünf Minuten von dem Neuen Palais entfernt, unter dem Vorwande, daß er am folgenden Morgen zu einer unmöglichen Stunde in Berlin sein müßte." Aus der Nationalhymne "Heil Dir im Siegerkranz" wurde nicht ohne Grund "Heil Dir im Sonderzug" ...

 

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