Neuhardenberg. Foto Peter Hahn, 1991

 

Die Zeit der Schlösser ist vorbei

Von Quilitz nach Neuhardenberg über Marxwalde und zurück

Frankfurter Allgemeine, 5. September 1996

 

Was für Hoffmann von Fallersleben noch von der Maas bis an die Memel reichte, hat heute achtzig Kilometer hinter Berlin sein Ende. Wo einst die Oder die Mittelachse des Deutschen Reiches markierte, verläuft nun die deutsch-polnische Grenze. Die Reichshauptstadt, früher in der Mitte Preußens und Deutschlands gelegen, ist als Bundeshauptstadt an den östlichen Rand gedrängt.

Die Reichsstraße Nummer 1, diese über 1400 Kilometer lange Verbindung zwischen Aachen, der Krönungsstätte der deutschen Könige, und dem preußischen Krönungsort Königsberg endet nach 700 Kilometern als Bundesstraße Nummer 1 vor der ehemaligen Oder-Festung Küstrin. Noch einmal die gleiche Entfernung hatte man zurückzulegen und Landsberg, Deutsch Krone, Marienburg und Elbing zu passieren, bevor die östliche Grenze am Kurischen Haff erreicht wurde.

Wo sich im Frühjahr 1945 die Rote Armee an den Seelower Höhen zum letzten Gefecht mit Hitlers Wehrmacht sammelte und 45.000 sowjetische, polnische und deutsche Soldaten einen sinnlosen Tod starben, versuchen heutzutage Bundesgrenzschutz und Zoll verzweifelt, den illegalen Transfer von Menschen, Kindern, Rauschgift, Zigaretten, Autos und Waffen zwischen West- und Ost-Europa zu verhindern. Wo die DDR eine gesicherte aber immerhin noch vorläufige Staatsgrenze zum sozialistischen Bruderland Volksrepublik Polen unterhielt, verkünden Schilder nun das besondere Gebiet "Zollgrenzbezirk".

Aus dieser Gegend erhielten kürzlich Cousinen, Vettern und Freunde einen langen Brief von Friedrich-Carl Graf Hardenberg. Der Seniorchef des Hauses Hardenberg gab der weitverzweigten Verwandtschaft einen aktuellen Bericht zur Lage des Stammhauses, weil "uns Neuhardenberg aufgrund der Tatsache, daß mein Vater im Widerstand gegen den Nationalsozialismus war, zurückgegeben" wird ...

 

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