Rheinsberg. Foto Peter Hahn, 1998

 

Von den nobelsten Empfindungen inspiriert

Die preußischen Prinzen Friedrich und Heinrich in Rheinsberg

Frankfurter Allgemeine, 29. April 1992

 

Mit der Eisenbahn von Oranienburg, Löwenberg und Herzberg "Rheinsberg von Berlin aus zu erreichen ist nicht leicht". Das ist heute nicht anders als zu Fontanes Zeiten. Für die 84 Bahnkilometer braucht man auf der Hinfahrt mit zweimal Umsteigen drei Stunden und zurück mit viermal Umsteigen dreieinhalb Stunden. Dann hat man einen Samstag, ein Stück Brandenburg und immerhin vierzehn Stunden hinter sich.

Über die Autobahn, die Berlin mit Hamburg und Rostock verbindet, ist man wenigstens schnell in der Nähe und in Neuruppin, wo am 30. Dezember 1819 der Meister der Milieuschilderung und Schöpfer der "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" geboren wurde. Von hier aus führen viele Wege durch die Ruppiner Heide nach Rheinsberg und einige davon sind sicher "im großen und ganzen so gut, wie Sandwege sein können". Schon damals stritt sich der große Friedrich in einer "Kabinettsorder" um "195 Thlr. 22 Gr. 8 Pf. zu zahlende Reparaturkosten", weil er den besten Weg kennen würde und "die Reparation nicht nöthig war". Es fragt sich nur, mit wem man sich heutzutage streiten soll, Bund, Land oder Autohersteller, wenn sich "Made in Germany" auf den brandenburgischen Straßen auflöst.

Die märkischen "Halbstraßen", eine Hälfte mit rotem Kopfsteinpflaster, die andere der sandige Sommerweg für die Landwirtschaft, haben sich bis heute gehalten. Die Flecken Neumühle, Molchow, Zermützel, Stendenitz, Tornow und Braunsberg hat man dennoch wohlbehalten passiert. Und es ist einem auch nicht entgangen, daß sich hinter dichten Kiefernwäldern einsame saubere Gewässer verbergen: Molchowsee, Teetzensee, Kellensee, Zermützelsee und Tornowsee sind jedenfalls mit dem Straßenzustand zufrieden.

In Rheinsberg halten wir, wie einst Theodor Fontane, "vor einem reizend gelegenen Gasthofe, der noch dazu den Namen der 'Ratskeller' führt", und probieren, "ob der Ratskeller seinem Namen Ehre mache oder nicht". Der zweiundzwanzigjährige Juniorchef Sebastian Däbel, schlank und rank, gewandt und charmant, auch mit den hier üblichen (zu) langen Haaren, serviert die feine "Rheinsberger Aalsuppe" zu 5,50 Mark und nebenbei die Geschichte des alten Hauses: Als der ehemalige prinzliche Keller mit der Wirtsfamilie Otto, die dieses Haus zwischen 1886 und 1953 führte, "seinen alten guten Ruf wiedererlangt" hatte, kam, wie  überall in den neuen Bundesländern, natürlich die HO und auf diese ganz selbstverständlich der Abriß ...

 

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