Schloss Marquardt. Foto Peter Hahn, 1993

 

Von Brandenburg und Brandenburgern

Der Niedergang von Schloß Marquardt als Beispiel für die Macht der Bürokratie

Frankfurter Allgemeine, 16. September 1993

 

Der Oberhofmarschall Marquard Ludwig von Printzen war ein treuer und redlicher Mann. "Der Hof hatte weder seine Sitten noch sein Herz verdorben." Seine Aufrichtigkeit brachte ihm schließlich soviel Liebe und Hochachtung ein, daß König Friedrich I. dem Herrn im Jahre 1704 das Dorf Schorin schenkte und gleich in Marquardt umbenannte. Er war einer von der Art, die man heutzutage im Land Brandenburg schmerzlich vermißt. Die Phrase vom "unsterblichen Namen läßt sich an ihm mustergültig studieren". Was nützt das Geklage über den Verlust dieses redlichen Menschen, wenn selbst Theodor Fontane schon vor mehr als einhundert Jahren fragen mußte: "Wer kennt ihn noch?"

Marquardt ist ein idyllischer Ort. Kein Durchgangsverkehr stört die Ruhe. Die Bundesstraße 273 von Potsdam nach Nauen hält Abstand. Vom Berliner Autobahnring nimmt man keine Notiz, obwohl es zur nächsten Ausfahrt Potsdam-Nord nur wenige Minuten sind. Der Bahnhof liegt am Rande des Dorfes, und selbst die Lastkähne, die über die Havel und den nahen Sacrow-Paretzer-Kanal von und nach Berlin tuckern, halten sich zurück.

Der Marquardter Besitz ist bis zum heutigen Tag ein "beständig wechselnder", was wohl auch an der Nähe Potsdams lag. "Wer dem Hofe nahe stand" oder sich nicht ganz von der Naehe der Macht entfernen wollte, "wählte mit Vorliebe die nahegelegenen Ortschaften". Das war damals so, das ist heute so. Mit dem Kauf von Gut, Herrenhaus und Park durch den General Hans Rudolf von Bischofswerder im Jahr 1795 bekam Marquardt ein Gesicht. "Meist in der Dämmerstunde" und nie über die Dorfstraße, sondern über den sogenannten Königsdamm direkt in den Park kam häufig König Friedrich Wilhelm II. zu Besuch. Da sollen sie dann in einer blauen Grotte gesessen haben, die es nicht mehr gibt, der geheimbündlerische Günstling und der für merkwürdige Riten empfängliche Koenig, und geisterhaften Stimmen gelauscht haben ...

 

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