Schloss Fredensborg. Foto Peter Hahn

 

Alles ist anders im Staate Dänemark

Frankfurter Allgemeine, 21. November 1996

 

Es gab gewichtige Gründe, wieder einmal Seeland aufzusuchen. Schließlich hat sich doch Prinz Joachim von Dänemark im vorigen Sommer auf Schloß Fredensborg mit der aus Hongkong stammenden Alexandra Manley verlobt. Dann sind noch die glanzvollen Bilder in Erinnerung, als der Diplom-Landwirt die Investmentberaterin in der Schloßkirche von Frederiksborg zum Altar führte, und letztlich wollten wir auch auf Schloß Amalienborg nach dem Rechten sehen, weil Thronfolger Kronprinz Frederik noch immer als Junggeselle und mit Mutter Königin Margarethe II. und Großmutter Ingrid lebt.

Bevor wir uns intensiver mit der blaublütigen Materie befassen konnten, mußten wir übers Meer. Viele Möglichkeiten bieten sich an. Da wir an den Tagen Zeit für Recherche und Ruhe haben wollten, wurde der Abend für die Anreise gewählt. Nachts ist auf der Ostsee viel los. Was da zwischen Kiel und St. Petersburg, Travemünde und Helsinki, Saßnitz und Ronne, Puttgarden und Rødbyhavn, Rostock und Gedser an großen und kleinen, alten und neuen und eventuell auch sicheren und unsicheren Pötten hin und her geleitet, zugerechnet der Verkehr zwischen Kopenhagen, Helsingör, Frederikshavn, Stockholm, Göteborg, Helsingborg, Malmö, Riga, Tallinn, Gdynia und Szczecin, soll statistisch betrachtet den Spitzenplatz in den nächtlichen Seeüberfahrten einnehmen - weit vor der Karibik.

Dabei haben, wenn alle Pläne wahr geworden sind, die Ostseefähren ihre längste Zeit gehabt. Wenn demnächst zwischen den Inseln Fünen, Sprogø und Seeland fünf Milliarden Mark in Brücken über und Tunneln unter dem Großen Belt verbaut sind, dann auch noch die Inseln Fehmarn und Lolland überbrückt werden und obendrein die Verbindung zwischen der dänischen Hauptstadt und dem schwedischen Malmö über den Öresund geschaffen ist, werden Kopenhagen, Oslo und Stockholm mit dem europäischen Festland per Auto- und Eisenbahn verbunden sein. Europa ist dann wieder um einige richtige Inseln ärmer. Aber das dauert noch eine Weile.

Vorerst setzt die dänische Reederei DSB auf schnelle Fähren. Brauchte man einst von Berlin nach Kopenhagen acht Stunden, sind die fünfhundert Kilometer nun in sechs genommen. Je schneller man jetzt da ist, um so früher wird der neugierige Reisende erfahren, daß sich die gepriesene Großherzigkeit und Liberalität der Dänen in durchaus überschaubaren Grenzen hält ...

 

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