Das Szécheny-Bad in Budapest. Foto Peter Hahn

 

Budapest ist auch ein Badeort

Frankfurter Allgemeine, 21. September 2006

 

Auch dem eigenen Portemonnaie kommt der Abgang des Sozialismus in mancherlei Hinsicht teuer zu stehen. In Ungarn war beispielsweise Gänsestopfleber eine preiswerte Delikatesse. Nun, wo Magyaren mit Franzosen und Israelis diesen Markt beherrschen, erreicht auch die ungarische Foie Gras preisliches Weltniveau. Anders ergeht es dem Mineralwasser: In Budapest müssen wir ziemlich deutlich werden, um nicht das italienische Allerweltswasser, sondern „Margitszigeti Kristályvíz“ serviert zu bekommen. Mineralwasser von der Margareteninsel.

Dabei ist die Donaumetropole für gute Wässerchen bekannt. Die Römer entdeckten es, die Türken badeten darin und die Habsburger lieferten „Analyse und Erfassung aller Mineralquellen“. So wurde Budapest zugleich Hauptstadt und Badeort. Das geriet in der Vergangenheit in Vergessenheit. Nun zeichnet sich ab, daß Ungarns Zentrum wieder auf Wasser und Badekultur setzt. Einiges spricht dafür: Zum einen werden Badetempel, ob neuzeitliche oder klassische, wieder als gesellschaftliche Treffpunkte entdeckt, zum anderen bietet dieser „Badeort in der Großstadt“ ein Arrangement, das es in dieser Vielfalt anderswo nicht gibt. Eine gewisse Unbeschwertheit kommt hinzu, weil mit den römischen und türkischen Einflüssen eine bodenständige Badetradition entstanden ist. Locker formuliert: Unserem häufigen Essengehen setzen sie regelmäßiges Badengehen entgegen.

Schauen wir uns um, aber beginnen wir mit der Erkundung einmal nicht beim „Gellért“ in Buda, sondern im Stadtwäldchen (Városliget) von Pest. Um diesen Park haben diverse Baumeister zu verschiedenen Zeiten ein vielschichtiges Architekturensemble gestaltet: Da ist die Burg Vajdahunyad, eine phantasievolle Collage ungarischer Baukunst von der Romanik bis zum Rokoko, dann der weitläufige Heldenplatz (Hősők tere) mit der Kunsthalle (Mücsarnok) und dem Museum der Bildenden Künste (Szépmüvészeti Múzeum), in dem die Esterházy-Sammlung mit Veronese, Caravaggio und Böcklin anregende Momente garantiert ...

 

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