Ätna, Südflanke am Monte Nero. Foto Peter Hahn, 2002

 

 

Der Ätna kommt nicht zur Ruhe

Catania, 19. November 2002

 

Boris Behncke sollte wohl recht behalten. „Der Ätna wird immer aktiver und gewalttätiger. Der nächste Ausbruch wird nicht lange auf sich warten lassen.“ Nun scheint es wieder so weit zu sein. In etwa zweitausend Meter Höhe haben sich innerhalb weniger Wochen drei Lavaquellen geöffnet. Seither wälzen sich rotglühende Gesteinsmassen am Südosthang des Bergmassivs in die Tiefe.

 

Für den auf Sizilien lebenden Vulkanologen Boris Behncke „könnte der Vulkan wieder jene Aktivitäten entwickeln, die aus dem 17. Jahrhundert dokumentiert ist". Was er damit meinen könnte, begriff ich damals vor einem Fresko im Dom von Catania: Es skizziert den Ausbruch von 1669. Zwischen März und Juli kam die Lava aus einem Erdriß zwischen Nicolosi und Mascalucia, suchte sich einen Weg zwischen den Bergdörfern Gravina und Misterbianco und wälzte sich vom Norden her durch Catania bis nach Ognina ins Meer. Seither liegt das Castello Ursino der Staufer nicht mehr am Hafen.

 

Dieses Bild kennt jeder Catanese. In den Berichten werden enorme Eruptionen geschildert, von ungewöhnlich langer Dauer. Und: Die Krater öffneten sich bereits zwischen 800 und 850 Metern. Auf der vom „Touring Club Italiano" im Jahre 1996 publizierten „Carta Etna" sind diese Lavaströme minutiös eingezeichnet: 1607 bei Adrano, 1610 bei Biancavilla, 1614-1624 bei Randazzo, 1634-1638 bei Zafferana, 1651-1653 bei Bronte. 1669 traf es „die schwarze Tochter des Vulkans" - Catania. Das ist ein quirliger Hexenkessel, ein barocker obendrein. 300.000 Menschen leben hier, noch einmal so viele ringsherum in mehr als einem Dutzend Städtchen und Dörfchen. Vom Berg sind sie alle abhängig, von seiner Gnade und von seinem Zorn. Sie wissen es. Sie verdrängen es.

 

Der komplette Artikel:

ePaper
Druckversion Druckversion | Sitemap
© Hahn Homepage Powered by 1&1