Hotel Stahlheim um 1902

 

 

Im Zauberland des Kaisers

Frankfurter Allgemine, 30. Juni 2005

 

Im Quartier herrschte größte Albernheit. Graf Görtz war so angeregt, daß er zum Vergnügen seines Freundes Wilhelm Ballett zu tanzen begann. Beim höchst dramatisch akzentuierten Pas d’action glitt er allerdings unglücklich aus und landete mit Donnergepolter unter dem Tisch.

Wilhelm liebte diese kindlichen Spiele in männlicher Gesellschaft. Freilich hatte sein Humor nicht selten einen entehrenden Charakter: Bei den Freiübungen gab er den betagten Militärs mit Rippenstößen Nachhilfe, beim Turnen schnitt er dem General die Hosenträger durch und die Skatrunde der Exzellenzen trieb er mit Schüssen aus der Wasserpistole auseinander.

Ob bei der „Liebenberger Tafelrunde“, im „Hotel Stalheim“ oder auf der Jacht „Hohenzollern“, Kaiser Wilhelm der Zweite sollte zufrieden sein. Seine „Badegäste“, wie er die zu Nordlandreisen geladenen Landratten nannte, sorgten dafür. Generalintendant Georg von Hülsen inszenierte Görtz als dressierten Pudel, „langer Behang aus schwarzer oder weißer Wolle, hinten unter dem echten Pudelschwanz eine markierte Darmöffnung und, sobald Sie ‚schön machen’, vorne ein Feigenblatt. Denken Sie wie herrlich, wenn Sie bellen oder zur Musik heulen. Das ist ein Schlager.“ S.M. fand das dann auch, jedenfalls jagte er nach dem Spektakel die Herren schreiend und lachend durch die Gänge in ihre Betten ...

 

 

Der komplette Artikel:

ePaper
Druckversion Druckversion | Sitemap
© Hahn Homepage Powered by 1&1