Monsanto. Foto Peter Hahn

 

Das Meer ist weit, und die Welt ist fern

Tourismus im ländlichen Portugal

Frankfurter Allgemeine, 23. Mai 1996

 

Warum Portugal derzeit weniger für seine Küsten als für den "Tourismus im ländlichen Raum" wirbt, kann einem schon beim Abflug in Deutschland deutlich werden. Viermal in der Woche verbindet die TAP Air Portugal die portugiesische Hauptstadt Lissabon mit Berlin. Da schrumpft die Business Class von 54 auf zwölf Sitze, und die Economy wird von 78 auf 107 erweitert. Die einen kommen, montags und freitags direkt, mittwochs und sonntags via Hamburg, die anderen gehen, nonstop oder via Fuhlsbüttel. Viermal in der Woche, so scheint es, werden auf den Berliner Großbaustellen ganze Hundertschaften von portugiesischen Bauarbeitern ausgewechselt. Da stehen sie dann mit Koffern, Taschen, Kartons und Tüten herum und werden von eigenartigen Gestalten dezent dirigiert, die ihnen Scheine abnehmen und dafür einiges regeln.

Was da vor dem Abflug in die Heimat am Check-in noch zu regeln sein könnte, erfährt man von der IG Bau, Steine, Erden. Während deutsche Baufirmen für Facharbeiter pro Stunde 60 Mark aufwenden müssen, von denen die Baufachleute 24,48 Mark und Staat, Versicherung und sonstige 35 Mark erhalten, offeriert ein sogenannter Subunternehmer per Fax Portugiesen für 30 Mark pro Stunde, von denen der schaffende Mann zwischen acht und 15 Mark sieht und der Rest in dunkle Kanäle geht.

Rekrutiert werden die billigen Leute in jenen mittelportugiesischen Dörfern, für die das Portugiesische Touristik- und Handelsbüro ICEP den "Tourismus im ländlichen Raum" ankurbeln soll. Diese Idee ist nicht neu. Als der Professor für Nationalökonomie António de Olivera Salazar 1932 Ministerpräsident wurde und mit umfassenden Vollmachten ausgestattet, beauftragte der stets schwarzgewandete "Diktator ohne Uniform und Allüren" seinen Direktor für Nationale Propaganda António Ferro, über das Land eine Kette von staatlichen "Pousadas" zu installieren ...

 

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