Sintra. Foto Peter Hahn

 

Sintra: Lord Byron war schon früher da

Frankfurter Allgemeine, 10. November 2005

 

Am Tag als der Regen kam, langersehnt, heißerfleht, auf die glühenden Felder, auf die durstigen Wälder, verbreitete Dalida mit ihrem Chanson Ende der sechziger Jahre Hoffnung: da erblühten die Bäume, da erwachten die Träume, da kamst du. Wenn er in diesem Jahr nun endlich auch nach Portugal kommt, der Regen, dann werden die Leute von Penha Longa die Glocken der Klosterkirche läuten. Besser wird damit erst einmal gar nichts, weil die Fairways auf diesem außergewöhnlichen Golfparcours derzeit nicht grün, sondern braun sind.

Abgezeichnet hat sich die Katastrophe bereits im Juni, als nur noch Sonne war und das Wasser der eigenen Reservate schnell weniger wurde. Was tun mit Abschlägen, Spielbahnen und Grüns? Die Deutsche Bank als Besitzer der Anlage und Ritz-Carlton als Betreiber des „Penha Longa Hotel & Golf Resort“ haben sich für das entschieden, was aus eigener Kraft zu leisten war. Das bringt die Golferschar aus dem Gleichgewicht, weil Tees und Greens zwar gewohnt grün, die Fairways aber ungewohnt braun sind.

Für die Gegend ist das ungewöhnlich. Penha Longa liegt eine halbe Autostunde vom Aeroporto de Lisboa entfernt. Normalerweise gedeiht in diesem mild-feuchten Klima eine wildwuchernde Natur, und da die Temperaturen der Serra de Sintra meist erfrischend sind, macht Lissabon im Dreieck zwischen Estoril, Cascais und Sintra Wochenende und Sommerfrische, und das seit Jahrhunderten.

Sie mögen diese Landschaft, die üppige Vegetation, die romantischen Quintas, vor allem das Meer, Kliffe, Felsen, Dünen und Strände mit schlichten Lokalitäten, die eine erfrischende Auswahl an Fisch und Meeresfrüchten offerieren. Einen Blick auf dieses Drumherum könnten die Golfer auf dem Penha Longa Atlantic Course“ nach den ersten drei Löchern erhaschen, falls sie sich aus dem ersten Tee im Tal zu den Abschlägen auf der Hügelkette heraufgearbeitet haben.

Der leidenschaftliche Lord Byron war natürlich auch schon da, allerdings nicht zum Golfspielen. Ganze zehn Tage brauchte er für ein (damals) skandalöses Abenteuer im alten (und heute vorzüglich restaurierten) Lawrence's Hotel, um Sintra schließlich als „glorious eden“ zu preisen, mit „Schönheiten aller Art, natürlichen und künstlichen“. Diskret wird immer noch verschwiegen, ob dort glückliche oder unglückliche Gattinnen seinen Weg kreuzten oder ob er gar einen seiner gelegentlichen homoerotischen Ausflüge wagte ...

 

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