Das Wohnhaus von Tilla Durieux in Zagreb. Foto Peter Hahn

 

Zagreb: Auf den Spuren von Tilla Durieux

Frankfurter Allgemeine, 3. März 1996

 

Eigentlich wollte ich das Museum nicht besuchen. Diese Einrichtungen langweilen mich. Immer wieder Scherben, Ansichten, Dokumente. Aber an diesem Samstag Vormittag blieb mir gar nichts anderes übrig, als das Taxi doch in die Opatika ulica 20 zu dirigieren. Der Himmel hatte seine Schleusen geöffnet, und der Blick auf die wolkenumhüllten Berge der Medvednica, die sich hinter Zagreb auftun, machte unmissverständlich klar: Museum.

Es war wie so oft in diesen stadtgeschichtlichen Museen: Besucher gab es nicht. Schon im Erdgeschoß fand ich das gar nicht mehr gut, weil ich meine Freude über diese so anregende Gestaltung nicht teilen konnte. Nicht ein Ort schlechthin wird präsentiert, was in dieser für uns doch immer noch verworrenen Gegend auch schwierig wäre, gezeigt wird auf eine berührende Weise das ganz bestimmte Sein einer Stadt, der es nur mit Mühe gelang, nicht ganz an den osteuropäischen Rand gedrängt zu werden: Zagreb erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Das beginnt schon ganz früh mit zwei Hügeln. Der eine, Kaptol genannt, wird seit eh und je von den Katholiken, dem Bistum, der Kathedrale und dem Erzbischof geprägt. Auf dem anderen, dem Gradic, ist im mittelalterlichen Ambiente eher das Weltliche versammelt: Die Regierung sitzt hier, umgeben von Parlament, Botschaften, Stadthäusern und Villen, versorgt von Kaffeehäusern, Restaurants, Bars und Nachtleben, eine angenehme Mischung, die zu dieser Stadt irgendwie ganz selbstverständlich dazugehört.

Für meine Museumsrundgänge, und nicht nur dafür, hatte ich mir angewöhnt, gegen den Strom zu schwimmen. Ich nahm also im Obergeschoß nicht den vorgeschriebenen Weg durch die Räume 20 bis 45, sondern begab mich in die "Collections donated to the City of Zagreb". Spieluhren, Grammophone, Orchestrions und Musikautomaten waren schnell besichtigt, doch dann, ganz und gar unerwartet, stand ich vor Tilla Durieux ...

 

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