Lage der geplanten Hertha-Arena auf dem Olympiagelände. Quelle Hertha BSC

34.750 Hertha

 

Nein zur Hertha-Arena auf dem Olympiagelände Berlin

 

Im April 2005 wurde das Olympiastadion Berlin durch die UEFA offiziell als „Fünf-Sterne-Arena“ bewertet. Nachdem innerhalb einer Woche das DFB Pokalendspiel VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund am 30. Mai 2015 und das UEFA Champions League Finale FC Barcelona und Juventus Turin am 6. Juni 2015 über die Bühne gegangen waren, erhielt das Olympiastadion Berlin von der UEFA die zusätzliche Kategorisierung „Elite Stadion“.

 

Wenn FCB, BVB und auch Schalke 04 in Berlin antreten müssen, dann ist das Olympiastadion mit 74.475 Plätzen stets ausverkauft, dann ist auch höchste Stimmung in der weitläufigen Bude. Wenn allerdings Hertha BSC gegen weniger große Namen spielen muss, dann sind es im Durchschnitt 30.000 bis 40.000 Zuschauer. Die setzen sich aus den angereisten Gästefans und 34.750 Hertha-Vereinsmitgliedern zusammen.

 

Das war schon bis 1989 so, als die Inselstadt mit nur 1,85 Millionen Einwohnern aufwarten konnte. Mehr ist auch seit der Wiedervereinigung nicht drin, obwohl Berlin mit 3,52 Millionen und Brandenburg mit 2,45 Millionen ein Potential von 6 Millionen Menschen aufbieten könnten – und obwohl im Umkreis von 200 Kilometern kein sehenswerter Fußball zu erleben ist (ausgenommen der 1. FC Union in Köpenick und die „Neuen“ vom RB in Leipzig).

 

Da können die Lautsprecher noch so laut das ovale Rund mit Frank Zander beschallen, „Nur nach Hause, nur nach Hause, nur nach Hause geh'n wir nicht“, der Text bleibt bieder und die von Rod Stewarts „Sailing“ abgekupferte Melodie stammt eben aus dem Jahre 1975. Ganz aktuell offerierten die Hertha-Manager für das Spiel gegen den FC Augsburg am 9. April „ein exklusives Ticket-Angebot für die ganze Familie im Block K“ und unter dem Slogan „Ha-Ho-He – Komm mit zur ITB“ wiederum „exklusiv“ für Hertha-Mitglieder „einen Gutschein im Wert von 15,00 Euro für ein Tagesticket der ITB“, Die Bude blieb trotzdem halbleer.

 

Hertha BSC ist kein Sympathieträger. Das beginnt beim Präsidenten Werner Gegenbauer und führt weiter über den (während eines Gesprächs permanent Augenkontakt vermeidenden) Fußballfunktionär Michael Preetz, dessen Aufstieg als Manager erst einmal mit dem Abstieg endete und auch sonst mehr durch den Aufenthalt von Hertha BSC in der 2. Bundesliga geprägt ist. Weil Gegenbauer wohl keinen Willfährigeren finden konnte, wurde der Vertrag von Preetz immer mal wieder verlängert.

 

Seit 1990 wurden in 27 Jahren 22 Trainer verpflichtet und entlassen. Auf Preetz' Kappe kommen Lucien Favre, Friedhelm Funkel, Markus Babbel, Michael Skibbe, Otto Rehhagel, Jos Luhukay und aktuell Pál Dárdai, der für diesen Job seinen Posten als ungarischer Nationaltrainer aufgab.

 

Spielerpersönlichkeiten, die doch so prägend für das Image sein können, konnte der Verein nicht hervorbringen. Wenn Namen genannt werden, Jérôme Boateng, Fredi Bobič, Thomas Helmer oder Łukasz Piszczek, dann muss doch auch mitgeteilt werden, dass diese Herren bereits nach einer Saison das Weite suchten. Einzig Arne Friedrich hat es hier länger ausgehalten, wurde Nationalspieler und hat dem Verein ein Gesicht gegeben. Marketing mit dem Sportwettenanbieter „bet-at-home.com“ als Hauptsponsor gehört nach dem Ausstieg der Deutschen Bahn ähnlich wie Wiesenhof bei Werder Bremen wohl eher in die Kategorie Missgriff.

 

Hertha BSC ist es nicht gelungen, dem Verein in Berlin und im Bundesgebiet ein positives Image zu verpassen. Die Fanszene von Hertha BSC steht dem nicht nach. Wer anderen Vereinen mit Abneigung begegnet, sie, wie im besonderen Fall den 1. FC Union Berlin zu Feindbildern erklärt, darf sich nicht wundern, wenn die Hertha-Fanclubs fast schon verzweifelt nach neuen Mitgliedern suchen. Wer will da schon mittun? Gerade der Köpenicker Club und seine Fans könnten Hertha Nachhilfe in puncto Begeisterung und Beteiligung geben.

 

Kaum hatte die „alte Dame Hertha“ in der Saison 2016/17 einige Heimspiele gewonnen, ging Hertha BSC am 30. März 2017 mit den Plänen für ein „reines Fußballstadion“ für ca. 55.000 Zuschauer in die Offensive. Für Präsident Werner Gegenbauer sollte es auf dem Olympiagelände – oder – und das gleicht einer Erpressung – im Brandenburg Park Ludwigsfelde errichtet werden. Selbstverständlich „zu 100 Prozent privat finanziert und ohne das ein denkmalgeschütztes Gebäude betroffen wäre“.

 

Die Argumente sind verlogen: Erstens wird die öffentliche Hand für die rein kommerziellen Interessen von Hertha BSC doch irgendwann zur Kasse gebeten werden und zweitens geht es nicht nur um die denkmalgeschützten Gebäude, sondern um die zum Denkmal erklärte Gesamtanlage des ehemaligen Reichssportfeldes. Diese gilt es zu erhalten.

 

Die Arroganz, mit der Hertha BSC als Mieter des Olympiastadions seinerzeit die blaue Tartanbahn gegen den Denkmalschutz durchgesetzt hat, darf sich nicht wiederholen. Nun geht es aber nicht um das Stadion, sondern um einen gravierenden Eingriff in den Außenbereich, der, bedingt durch die Lage der Bauten, Stadien, Spielfelder und bewusst angelegten Freiflächen an Bindungen geknüpft ist.

 

Schon wird auf dem Entwurf das „Hockey-Stadion“ als „Stadionvorfeld mit Hockeystadion“ bezeichnet, wird die mit „Anger“ bezeichnete grüne Fläche zwischen Guthsmuthsweg und Schwimmstadion für „Stellplätze“ ausgewiesen und erhält die neue Arena sogar eine „Stadionumfahrung“. Demnächst geht es wohl an die historische Pflasterung, an Skulpturen, Stelen und Olympiagedenksteine. Wo einst Gauinger Travertin, Granit, Rüdersdorfer Kalkstein, Schwäbischer Muschelkalk, Tengener Tuff und grünes Dolomitgestein eingesetzt wurden, entsteht jetzt eine blau-weiße Blechdose.

 

„Steil, nah, laut“ soll das neue Stadion sein. Das mag ja sein, was aber das Architekturbüro „Albert Speer + Partner“ an Entwürfen präsentierte, geht nicht über die billige und einfallslose Architektur der Wirsol Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim oder der Continental Arena in Regensburg hinaus.

 

Die Frage darf erlaubt sein, warum Hertha BSC nicht die Architekten Gerkan, Marg und Partner um einen Entwurf gebeten hat. Das Architekturbüro hat mit dem Umbau des Berliner Olympiastadions und danach mit den Stadionneubauten in Kapstadt, Port Elizabeth, Durban oder in Brasília, Belo Horizonte und Manaus Maßstäbe gesetzt.

 

Baut Hertha BSC sein „reines Fußballstadion“ mit ca. 55.000 Plätzen, dann bleiben in der Regel immerhin noch 10.000 bis 20.000 Plätze leer, und wenn dann dort FCB, BFB, Schalke 04 oder RB Leipzig spielen müssen, dann finden ab 2025 jeweils 19.475 Zuschauer keinen Platz.

 

Mit seinen Varianten „Olympiagelände oder Brandenburg Park in Ludwigsfelde“ erpresst Werner Gegenbauer die Stadt. Für Sportsenator Andreas Geisel (SPD), der sich schon als Bausenator keine Lorbeeren verdiente, „darf ein Stadionneubau nicht zum Millionengrab für das Olympiastadion werden“, deshalb ist als Alternative „auch ein entsprechender Umbau des Olympiastadions vorstellbar“. Das ist der Anfang vom Ende.

 

Der kommerzielle Fußball wird zum Übel. Wohin das alles führt, wird doch durch den Druck deutlich, den UEFA, BVB-Geschäftsführung und auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière ausgeübt haben, damit das Spiel gegen den AS Monaco keine 24 Stunden nach dem Bombenattentat stattfindet. Der widerliche Angriff auf das Leben der Spieler des BVB ist doch Warnung genug. Berlin darf sich weder von Geschäftemachern wie Werner Gegenbauer noch von 34.750 Hertha-Fans erpressen lassen. Sonst ist es aus mit „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin.“

 

 

Die Hertha-Arena auf dem Olympiagelände Berlin

Die Alternative: Der Brandenburg Park in Ludwigsfelde

Die Architektur der kommerziellen Fußballarenen

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