Das Olympiagelände nach 1945

 

Die Rote Armee der Sowjetunion (die in der Schlacht um Berlin das gesamte Gebiet Berlins und dessen Umland erobert hatte, zog sich aufgrund der getroffenen Beschlüsse der Alliierten im Sommer 1945 aus den sich daraus konstituierten drei Westsektoren Berlins zurück. Am 1. Juli 1945 besetzte Großbritannien das Reichssportfeld. Ein Teil der Gebäude und die Freiflächen des Sportforums im Norden wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von den britischen Alliierten als Hauptquartier in Anspruch genommen und waren für die Öffentlichkeit unzugänglich. Wichtige Teile des Olympiageländes sind damit kaum im Bewusstsein der Stadt verankert.

 

Das erste Mal öffneten die Briten das Stadion am 7. und 8. September 1946 für das „Acht-Nationen-Sportfest“, die Leichtathletikmeisterschaften der alliierten Soldaten. In der Dietrich Eckart-Freilichtbühne, fortan „Waldbühne“ genannt, bestritt Ex-Schwergewichtsweltmeister Max Schmeling am 31. Oktober 1948 vor 24.000 Zuschauern seinen letzten Boxkampf. Nach und nach gingen Teile des Reichssportfeldes an die Deutschen Behörden zurück. Das Olympiastadion wurde am 12. Juni 1949 übergeben. Ein Jahr später beschloss der Berliner Senat die Umbenennung des Reichssportfeldes in „Olympiastadion“. 1966 wurde das ehemalige Reichssportfeld als Baudenkmal in die Denkmalliste West Berlins aufgenommen. Zur Fußball-WM 1974 erhielt das Stadion eine Teilüberdachung der Nord- und Südtribüne.

 

Die von Großbritannien genutzten Bereiche des Olympiageländes wurden nach fast 50 Jahren Militärpräsenz am 30. September 1994 dem Land Berlin zur Nutzung überlassen. Das Grundstückseigentum an dem ehemaligen Reichssportfeld und heutigen Olympiagelände ging auf die Bundesrepublik Deutschland über.

 

Bereits Anfang der 1990er Jahre wurden vom Land Berlin und dem Bund Machbarkeitsstudien zur Zukunft des maroden Stadions erstellt. 1998 beschlossen Senat von Berlin und Bundesrepublik Deutschland die denkmalgerechte Sanierung und Modernisierung des Olympiastadions. Die Planungsgemeinschaft des Hamburger Architekturbüro von Gerkan, Marg und Partner (gmp) gewann den dafür ausgeschriebenen Ideen-Wettbewerb. Der Startschuss für Umbau und Modernisierung fiel im August 2000. Nach und nach erfolgte die Sanierung. Der Oberring blieb weitgehend erhalten, der Unterring musste gänzlich erneuert werden. Mit dem Neubau des Unterrings ging die Absenkung der Spielfläche um 2,65m einher, somit konnten zwei zusätzliche Sitzreihen eingebaut und der Abstand zum Spielfeld verkürzt werden. In den inneren Umgang zwischen Unter- und Oberring wurde ein Großteil der nunmehr 76 Logen integriert. Zusätzlich wurden die Ehrentribüne unter Beibehaltung der historischen Ehrenhalle und des Coubertinsaals neu gestaltet. Der Umbau erfolgte während des laufenden Spielbetriebes.

 

Die neue Tribünenüberdachung wurde nicht zum Ring geschlossen, um die historische Öffnung am Marathontor nicht zu verbauen. Somit blieb die vom Denkmalschutz erwünschte Sichtbeziehung zum Maifeld und dem Glockenturm erhalten. Die Dachkonstruktion von gmp (Gerkan, Marg & Partner) und dem Ingenieurbüro Krebs und Kiefer wurde mit dem Stahlbaupreis 2004, einem der ältesten Architekturpreisen Deutschlands, ausgezeichnet. Die Gesamtbaukosten von rund 240 Mio. € wurden zum überwiegenden Teil vom Bund getragen. Am 31. Juli 2004 wurde das „neue“ Stadion eingeweiht.

Inzwischen hat der Bund das Eigentum am gesamten Olympiagelände auf das Land Berlin übertragen. Der Olympiapark Berlin wird von der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport bewirtschaftet, das Olympiastadion von der Olympiastadion Berlin GmbH. Seit 2004 vermarktet die Olympiastadion Berlin GmbH als Betreiber des Olympiastadion Berlin. Das Land Berlin ist seit 2006 alleiniger Gesellschafter der Betriebsgesellschaft.

 

Im April 2005 wurde durch die Stadionkommission der Europäischen Fußball Union (UEFA) das Olympiastadion Berlin offiziell als Fünf-Sterne-Arena, der höchstmöglichen Wertung für Stadien in Europa, bewertet. Höhepunkt der Fußballgeschichte im Olympiastadion Berlin war die WM 2006 mit sechs Spielen. Danach riss der Besucherstrom auch außerhalb der Großveranstaltungen nicht ab. Im Jahr 2007 kamen rund 276.000 Touristen auf das Olympiagelände.

 

Im Jahr 2015 erhielt das bereits als Fünf-Sterne Stadion ausgezeichnete Olympiastadion Berlin nach DFB Pokalendspiel und UEFA Champions League Finale die zusätzliche Kategorisierung als UEFA „Elite Stadion“. Warum wohl tönt es alle Jahre wieder aus hunderttausend Kehlen „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“? Der Glaube an den Pokal allein kann es nicht sein. Das alt-neue Olympiastadion von Berlin ist eben einzigartig. Es braucht keine Konkurrenz.

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