Rudolf Nadolny

Der unbequeme Diplomat

 

Im Mai 1952 hatte der 78-jährige Rudolf Nadolny die Niederschrift seiner Erinnerungen abgeschlossen – „auch wenn noch viel zu ändern wäre“. Wehmütig klagte er gegenüber Wipert von Blücher: „Ich wünschte, ich könnte noch so wie Sie schreiben, dann wäre ich glücklich und sicher, dass meine Sachen gelesen werden“.

Zwölf Monate später war er nicht mehr. Zurückgeblieben ist Änny, die Witwe, mit einer Rohfassung. Sie tat nun, was sie eigentlich immer getan hatte. Sie widmete sich wiederum ihrem Mann. In der Beschäftigung mit dem Nachlass suchte sie Trost. Sie nahm den roten Stift, und beschriftete alles, was in fünf Jahrzehnten bewahrt wurde. In dem Diplomaten Wipert von Blücher fand sie einen Mitstreiter, der in einer stark gekürzten Version „das von den Lebenserinnerungen zusammenstellte“, was sich zwei Jahre nach dem Tod „zur Veröffentlichung eignete“.

Drei Jahrzehnte später legte der Historiker Günter Wollstein 1985 nach der von Nadolny erstellten Schlussfassung eine gekürzte und neustrukturierte Ausgabe vor: „Rudolf Nadolny: Mein Beitrag – Erinnerungen eines Botschafters des Deutschen Reiches“.

Das Buch „Rudolf Nadolny – Der unbequeme Diplomat“, erschienen in der Reihe „Diplomatische Profile“, orientiert sich an dieser Arbeit, die allerdings immer noch über 400 engbedruckte, unbebilderte und mit Anmerkungen versehene Seiten umfasste. Nach wie vor galt also Wollsteins Befürchtung, dass die teilweise ausschweifenden Texte „den potentiellen Leser der eigentlichen Erinnerungen abschrecken“ würden. Er aber sollte gelesen, wieder in Erinnerung gebracht werden, oder wie es sein Enkel Sten Nadolny formulierte, „ich würde mich sehr freuen, wenn ein ähnlich schönes Buch über ihn entstünde wie die Bücher über den Diplomaten Alfons von Mumm und das Sprachgenie Emil Krebs“.

Rudolf Nadolny – das ist Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Nachkriegsdeutschland. Viele Details sind heute nur noch wenigen bekannt. Leben und Zeit mussten daher auf den Punkt gebracht werden. Beschränkung war wiederum notwendig.

Vorgelegt werden nun über 20 Geschichten, die sich jeweils einem Lebensabschnitt widmen, und mit bisher unbekanntem Bildmaterial ergänzt wurden. Vorangestellt wurde eine in kursiv gesetzte Einführung, so dass sich für die nachfolgenden Originaltexte weitere Erläuterungen erübrigen. Dazu kamen einige Exkurse, die den Bogen vom Damals zum Heute spannen sollen. Um den Ansatz von Nadolnys „Mein Beitrag“ zu bewahren, wurden erzählend-beschreibende Passagen, minutiöse Tagebuchaufzeichnungen, Gedanken zur diplomatischen Strategie und Taktik ebenso erhalten wie seine Plaudereien über Interna des Auswärtigen Amts.

Ich danke Martin Kröger vom Politischen Archiv des Auswärtigen Amts für die Anregung, Monika Peschken und Ulrich Eilsberger, den Kindern von Rudolf Nadolnys Tochter Ursula, für die Dokumente aus der Zeit nach 1945, vor allem aber Sten Nadolny für manches ermutigende Wort, und Jürgen Stich für die kritische Begleitung.

 

Peter Hahn, im Herbst 2013

 

Rudolf Nadolny – Der unbequeme Diplomat

Oase Verlag, 2014

ISBN 978-3-88922-100-1

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