Südwestkirchhof Stahnsdorf

Lexikon-Lesebuch-Parkführer

 

Lieber Leser, wenn Sie diese Sammlung von Texten, Bildern und Dokumenten erwerben möchten, um etwas über einen Totengarten zu erfahren, muss ich Sie warnen. Dies ist kein Friedhofsbuch. Ich bin kein Kenner, allenfalls ein Bewunderer.

Über Friedhöfe ist viel geschrieben worden. Ich fühlte mich dennoch verpflichtet, einiges über diesen Kirchhof zusammenzutragen, um Ihnen für das schier unüberschaubare Areal von mehr als 200 Hektar eine Orientierung zu geben.

Unter der Abteilung Akten betreffend Generalia finden Sie Texte zu den kultur-historischen Stationen. Ich möchte nicht verschweigen, dass mir dabei die Ausführungen von Herrn Regierungsbaumeister Roloff aus Stettin sehr hilfreich waren. Über jenen Zeitabschnitt, der mit den Maßnahmen von Albert Speer begann und mit dem Mauerbau eine jähe Zäsur hinnehmen mußte, habe ich unter Würdigung der Fakten eine kurzweilige und der Aktualität verpflichtete Darstellung hinzugefügt. Dem umfangreichen Textmaterial folgen in der Abteilung Dokumente diverse historische Bilder, die in der Öffentlichkeit bisher kaum bekannt sein dürften.

Bevor Sie dieses wunderbare Stück Erde betreten, empfehle ich Ihnen, auch aus eigener leidvoller Erfahrung, die Abteilung Orte aufmerksam zu studieren. Dabei wäre es hilfreich, wenn Sie sowohl den hinteren Lageplan als auch das Register Von Adalbert bis Zille beachten würden. Wundern, vor allem aber ärgern Sie sich bitte nicht, wenn Sie auf ihren Wanderungen über diese weitläufige und verwunschene Anlage nicht gleich das gesuchte Grabdenkmal finden. Ich habe mir in solchen Momenten immer gesagt, das nächste Mal ist auch ein Mal.

Nach diesen Andeutungen werden Sie sicher verstehen, dass ich für die Abteilung Von Adalbert bis Zille aus mehr als einhunderttausend nur fünfzig Persönlichkeiten ausgewählt habe. Die Auswahl entstand nicht zufällig, obwohl mir Zufälligkeit unterstellt werden könnte, weil jenes gewürdigt und dieses nicht gewürdigt wird. Entscheidend war nicht die Erwägung, ob die Person wert sei, herausgehoben zu werden, sondern nur, ob der zu ihr ausgewählte Text wert sei, gelesen zu werden. Explizit für diese Abteilung war eigene schriftstellerische Zurückhaltung geboten, weil vor mir ausgewiesene Fachleute, kenntnisreiche Zeitzeugen oder bewunderte Schreiber waren.

Damit versucht das Lesebuch zu halten, was der Untertitel verspricht. Nicht wer über Spezielles, sondern wer über die Zeit und ihre Zeitgenossen etwas erfahren möchte, wird mit diesem Mosaik über die vor den Toren Berlins versammelte Gesellschaft glücklich werden.

Das Panorama wird manche Lücke aufweisen. Weitere Stahnsdorfer Grabstätten deuten es an. Viele sind vergessen, an manche, Akademiedirektor Richard Lucae gehört dazu, erinnert nicht einmal mehr ein Stein. In sechs Jahren, so meine Hoffnung, wenn der Südwestkirchhof sein Hundertjähriges begeht, könnte manche Betrachtung ergänzt und anderes auch gerettet sein.

Bemerkenswert ist vieles auf dem Südwestkirchhof. Das von Max Taut erfundene expressionistische Grabdenkmal der Wissingers, von dem die Plastik des Bildhauers Otto Freundlich seit den zwanziger Jahren spurlos verschwunden ist, die hölzernen Bauten von Gustav Werner, die „Lennéschen“ Sichtachsen von Louis Meyer und vor allem aber der Landschaftspark selbst, dessen Zauber ich erlegen bin und Sie hoffentlich erliegen werden.

Dass ich mit diesem Buch vieles erfahren habe, will ich nicht verschweigen. Dass mir die Arbeit Freude gemacht hat, auch nicht. Dass ich diese anregende Zeit mit meinem Mitstreiter Olaf Ihlefeldt und meinem Freund Jürgen Stich teilen konnte, dafür danke ich den beiden.

 

Peter Hahn, im Mai 2003

 

Südwestkirchhof Stahnsdorf. Lexikon-Lesebuch-Parkführer.

Herausgegeben von Peter Hahn

Oase Verlag, 2003

ISBN 3-88922-057-6. Das Buch ist vergriffen.

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