Staats- und Domchor Berlin

 

Mit dem Titel „Staats- und Domchor Berlin“ wäre der Gegenstand des Lese- und Bilderbuches bereits hinreichend beschrieben. Es scheint mir jedoch bemerkenswert, dass kein weiteres Berliner Ensemble seit 540 Jahren mit der politischen und kirchlichen Geschichte von Brandenburg, Preußen und Deutschland so sehr verwoben ist.

Der Chor wird 1465 vom brandenburgischen Kurfürsten Friedrich II. dem Eisernen gegründet, erfährt seine Institutionalisierung durch den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. im Jahre 1843 und findet seine jetzige Bestimmung mit dem Ende des deutschen Kaiserreiches und der Trennung von Staat und Kirche.

Ob als Königlicher Hof- und Domchor bis 1918 oder danach als Staats- und Domchor, die Sänger haben von Anfang an neben geistlichen auch weltliche Aufgaben zu erfüllen: von der festgeschriebenen Liturgie des Gottesdienstes im Berliner Dom bis hin zu jenem „Festakt“ in der Potsdamer Garnisonkirche vom 21. März 1933.

Nun habe ich nicht die Absicht, Sie mit Geschichte zu belasten, erst recht nicht, alles erklären zu wollen. Die Dokumente und Texte sprechen für sich. Fernes und Nahes stehen nebeneinander, und oft genug könnte Vergangenes gegenwärtig und Gegenwärtiges vergangen sein.

Wenn Felix Mendelssohn Bartholdy „einige unserer ausgezeichnetsten deutschen Komponisten“ für den Chor gewinnen möchte, damit „einer durch den anderen bekehrt und gefördert wird“, dann könnte diese Forderung gerade für unsere Zeit stehen.

Von ihm, den Chordirektoren und anderen Begebenheiten wird in der „Chor-Chronik 1465-2005“ erzählt. Nicht immer gaben die Archive das her, was nötig gewesen wäre, um das Geschehen in den verschiedenen Etappen befriedigend zu rekonstruieren. Trotzdem lassen sich die großen Linien der Chorgeschichte nachzeichnen.

Als Konstante über Jahrhunderte hinweg erweist sich die Kirche. Sie gibt dem Chor von Anbeginn eine Heimstatt auf der Berliner Spreeinsel. Es lag deshalb nahe, auf diesen Ort einzugehen, zumal seine Neugestaltung in den nächsten Jahren im Zentrum städtebaulicher Diskussionen stehen wird. Museumsinsel, Dom und Schloss sind und waren Der „Kiez des Staats- und Domchors“. Hierher konnte der seit 1923 an die Charlottenburger Musikhochschule angebundene Chor nach jahrzehntelanger unfreiwilliger Abwesenheit 1993 wieder zurückkehren. Er wirkt wieder dort, wo seine Geschichte begann. Seine Mitglieder kommen wieder aus allen Teilen Berlins. Ihr bezwingendes Motto: „Danke, dass ich singen darf!“

Sie singen, auch in diesem Lese- und Bilderbuch, Kompositionen von Michael Praetorius, Johann Rosenmüller, Johann Sebastian Bach, Heinrich August Neithardt und Camille Saint-Saens. Auf der CD wurden Aufnahmen versammelt, die zwischen 1927 und 2003 unter den Chordirektoren Hugo Rüdel, Gottfried Grote, Christian Grube und Kai-Uwe Jirka entstanden sind.

Wenn es mit diesem Lese- und Bilderbuch gelänge, Ihnen und vor allem den jungen Chorsängern etwas von jenem Enthusiasmus zu vermitteln, den die Beschäftigung mit der Historie mitunter auch auslösen kann, dann wäre das Beste schon erreicht.

 

Peter Hahn, im März 2004

 

Staats- und Domchor Berlin

Oase Verlag, 2004

ISBN 3-88922-058-4

Das Buch ist vergriffen. Restexemplare sind über den Autor erhältlich.

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